Norwegen 2019

Dieses Jahr ging es für knapp drei Wochen nach Norwegen. Das Highlight sollte die Durchquerung der Hardangervidda als eine 8 bis 11 Tage lange Trekkingtour sein. Der Sommer 2019 war auch im hohen Norden sehr warm, womit wir uns ausrüstungstechnisch sowohl für außergewöhnliche Hitze, als auch die eigentlich für den Norden normale Kühle vorbereiten mussten. Hinzu kommt dann noch die hohe Regenwahrscheinlichkeit, womit wir noch unsere komplette Regenkombi und mehr Ersatzkleidung mitschleppen mussten.

Der grobe Reiseplan:
2 Tage Oslo – mit dem Zug nach Finse – mit dem Zug nach Geilo – Durchquerung Hardangervidda – vom Endpunkt Haukeliseter mit dem Bus nach Bergen – 5 Tage Bergen – mit dem Zug nach Oslo – 2 Tage Oslo.

Gesamteindruck der Reise

Zu allererst war Norwegen sehr teuer. Die gesamte Reise hat uns fast so viel wie Hawaii gekostet!!. Wir wollten flexibel sein, was natürlich bei Hotelbuchungen den Frühbucherrabatt ausschloss. Aber auch die Hüttenübernachtungen schlugen richtig zu Buche. Oslo ist eine tolle Stadt und es gibt jede Menge zu sehen. 5 Tage in Bergen waren zu viel. Besonders, da wir das Pech hatten, 5 Tage Dauerregen erwischt zu haben. Die Stadt hat man schnell durch und es blieben nur noch Fischmarkt und Museen. Wandern wäre einem Vollbad gleichgekommen. Eine Fjordtour machte bei Null-Sicht keinen Sinn. Am vorletzten Tag zogen wir bei Regen noch eine Wanderung auf den Hausberg Ulriken durch, weil uns die Decke auf den Kopf fiel.

 

Tipps

DNT Mitgliedschaft

Man sollte sich beim DNT als Mitglied anmelden. In Oslo kann man einen „Nockel“ (Schlüssel) für nicht bewirtschaftete Hütten im DNT Büro holen. Auf unserer Tour hätten wir diesen jedoch nicht benötigt. Als DNT Mitglied hat man auch ermäßigte Preise in den Hütten. Sogar in den Nicht-DNT Hütten und der Jahresbeitrag ist schnell egalisiert.
Als Mitglied bekommt man aktuelle Information zu den geplanten Strecken. Da wir relativ früh im Jahr die Tour begehen wollten, waren für uns die Informationen zum Zustand der Brücken, die nur im Sommer aufgebaut werden, sehr wichtg.

Reiseführer & Karten

Verlag Outdoor
Norwegen: Hardangervidda
von Tonia Körner
ISBN 978-3-86686-565-5
GPX Dateien zum Download

Verlag Lonely Planet
Norwegen
ISBN: 978-3-8297-4596-3

Verständigung

Die Norweger beherrschen durch alle Generationen ein hervorragendes Englisch. Wir haben auf der gesamten Tour englisch gesprochen.
Auch die Hauptsprache bei den Gesprächen mit anderen Wanderern in den Hütten, war Englisch. So waren alle eingebunden. Wir wissen gar nicht, wie vielen Deutschen wir vielleicht begegnet sind.
Es war schon manchmal sehr lustig, wenn man sich die ganze Zeit auf Englisch unterhält und dann plötzlich feststellt, dass es Deutsche sind.

Tipp zur Unterkunft

AirBnB ist in aller Munde und wird auch von uns gelegentlich in Anspruch genommen.
Für Bergen und Oslo konnten wir jedoch kein oder kaum Sparpotenzial erkennen.
Die Angebote, die der zentralen Lage unserer Hotels entsprachen, waren nur wenig günstiger.
Bedenkt man dann noch, dass Selbstversorgung, eventuell Wäschegebühr und Endreinigung drauf kommt,  dann lohnt es sich kaum noch.
In unseren Hotels war das Frühstück auf 5 Sterne Niveau, warme und kalte Auswahl - Sogar vegane Auswahl. Wenn man als Selbstversorger sich entsprechend versorgen möchte, ist bei den Lebensmittelpreisen ein Hotel schnell mal günstiger. 

Bahnfahren ist in Norwegen eine Freude. Das Online Buchungssystem funktioniert tadellos. Wer früh bucht, spart sehr viel Geld. Oslo - Bergen ist eine Hauptstrecke. Deshalb sollte man Plätze reservieren. In die Gepäckablagen über unseren Sitzen passten sogar unsere großen Trekkingrucksäcke. Wlan ist zwar frei, aber relativ langsam und die vielen Tunnel stören den Empfang.

Von Heukeliseter nach Bergen sind wir mit dem Bus gefahren. Wir buchten uns am Vorabend  die Tickets onlime. Die Fahrt war überraschend günstig und sogar Landschaftlich ein Erlebnis. Der Bus setzt mit einer Fähre sogar über einen Fjord über. Somit hatten wir sogar eine Fjordtour im Ticketpreis enthalten :-)    

Unsere Trekkingtour durch die Hardangervidda

Wir laufen eine Kombination aus Nord-Süd Querung und West-Ost Querung. Diese Varianten sind in den meisten Wanderführern beschrieben. Unser Startpunkt ist Geilo, von wo wir dem Verlauf der West-Ost Route bis Litlos und weiter von Litlos bis Haukeliseter der Nord-Süd Route folgen. Gesamtlänge der Tour 135 km.

Gründe für diese Streckenwahl:

Ursprünglich wollten wir die komplette Nord-Süd Querung, die in Finse beginnt, bestreiten. Jedoch ergab unsere Recherche, dass die zweite Etappe sehr anstrengend sein soll. Dies besonders bei Regen. In verschiedenen Reiseberichten wurde von knöchelhohen Morast berichtet, durch den man sich steile Hänge hochquälen muss. Den Endpunkt Haukeliseter wollten wir jedoch beibehalten, da von dort eine direkte Busverbindung nach Bergen besteht. Tickets und Hüttenübernachtung hatten wir allerdings schon für Finse gebucht und deshalb von Oslo erst nach Finse fuhren und am nächsten Morgen 40 Minuten mit dem Zug zurück nach Geilo zum Startpunkt der Tour gelangten.

Wir planen die Tour grundlegend mit Zelt und Selbstverpflegung. Sollte es regnen, behalten wir uns die Option vor, gelegentlich in einer der Hütten zu schlafen. Auch unser Zeitplan ist flexibel gestaltet. Für den Fall, dass es uns irgendwo besonders gefällt, das Wetter extrem schlecht ist oder einfach mal die Luft raus ist, haben  wir keine feste Tageszahl festgelegt. Was auch bedeutet, dass wir im Vorfeld noch kein Zimmer in Bergen buchten.  Bei der Vorbereitung reduzieren wir aus Gewichtsgründen unseren Proviant auf 6 Tagesportionen (6 x Müsli und 6 x Doppelportion Travellunch). Den Rest werden wir bei Bedarf in den Hütten aufnehmen. In der Woche vor Reisebeginn beobachten wir stetig die Wetterlage. Eine Hitzewelle liegt über Norwegen. Wir müssen also auch mit Zusatzgewicht für mehr Wasser rechnen.

Eindruck der Trekkingtour:

Wir sind uns einig, euch zu empfehlen, eine andere Trekkingtour zu suchen. Die Hardangervidda ist eine Hochebene mit viel Hochmoor, flach mit wenig Abwechslung. Dieser Sommer war heiß und laut der Einheimischen auch die letzten Sommer, womit das Queren der Moore bei weitem nicht so problematisch war, wie in den Reiseberichten beschrieben. Doch mit 17 Kilo (Grisu) bzw. 19 Kilo (ich) am Rücken mussten wir trotzdem öfters am Tag über 50 bis 100 Meter lange Wegstücke von Stein zu Stein springen. Das ist anstrengend und reduziert die Durchschnittgeschwindigkeit. Man sollte für seine Zeitplanung nur mit 2.5km/h bis 3 km/h rechnen. Erst zum Ende unserer Tour beginnt das Terrain bergig und felsig zu werden. Wir hießen die Anstiege und Aussichten willkommen. Natürlich ist man unterwegs einsam und in freier Natur und mit dem Zelt hat es auch einen Hauch von Abenteuer.  Ohne Ende typische Seen, die man von Fotos kennt. Herrlich anzusehen. Aber irgendwann ist ein See einfach nur noch ein See.

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